Das Leitbild bzw. der Leitgedanke „Eisenach verbindet“, unter dem sich Stadtentwicklung vollziehen soll, ist bereits im ISEK 2002 formuliert worden. Das Leitbild wurde damals als Antwort auf das Analyseergebnis einer „fragmentierten Stadt“ entwickelt. Um einem Auseinanderdriften der Stadt und der Stadtgesellschaft entgegenzuwirken, sollten die Stärkung verbindender Elemente Grundprinzip der Stadtentwicklung und des Stadtumbaus sein.

Die baulichen und sozioökonomischen Entwicklungen haben dazu beigetragen, dass die Fragmentierung der Stadt mittlerweile nicht mehr so stark ausgeprägt ist wie 2002. Das Leitbild „Eisenach verbindet“ ist allerdings nach wie vor ein geeigneter Leitgedanke für die neuen und alten Herausforderungen der Stadtentwicklung in Eisenach.

Aufbauend auf der Analyse und diesem Leitgedanken werden im ISEK die folgenden strategischen Ziele festgelegt. Zu den Zielen sind jeweils mehrere Handlungsfelder zugeordnet. Diese Ziele und Handlungsfelder stellen den aktuellen Arbeitsstand dar und können sich bis zum Beschluss des ISEKs durch den Stadtrat noch ändern.

1

Eisenach ist das Bildungs- und Innovationszentrum für die Region

Hochschule und Berufsschulzentrum werden als Einrichtungen der Hochschul- und Berufsausbildung auf ein neues Qualitätsniveau geführt und bilden die Kerne des Bildungszentrums für die Region.

Durch die Akquisition von Bildungs- und Forschungseinrichtungen mit Bezug zum wirtschaftlichen Profil der Stadt und den Ausbildungszweigen von Hochschule und Berufsschulzentrum wird die innovative Basis der Stadt erweitert.

Durch eine qualitativ hochwertige und breit aufgestellte Vorschul- und Schulbildung, die durch hohe Standards in den Bereichen Personal, Bausubstanz und Ausstattung erreicht wird, ist Eisenach als Schulstandort auch für die Umlandgemeinden attraktiv.

Durch den Ausbau einer vernetzten Bildungslandschaft in Eisenach, die generationenübergreifend auch außerschulische Lernorte umfasst, entwickelt sich die Stadt zu einem Ort des lebenslangen Lernens.

2

Eisenach nutzt seine Stärken als Industriestandort, um die wirtschaftliche und innovative Basis der Stadt zu erweitern

Durch eine gezielte Ansiedlungspolitik wird die industrielle Basis der Stadt auf ein breiteres Fundament gestellt. Dazu wird insbesondere eine Diversifizierung der Branchen und der Unternehmensstruktur angestrebt ohne bestehende Industriestandorte zu gefährden.

Durch Kooperation zwischen Bildungseinrichtungen und technologieorientierten Unternehmen der Region wird an innovativen Projekten und Produkten gearbeitet, die in Startups weiterentwickelt werden. Dazu werden auch bestehende Ansätze wie die Wirtschaftsförderung durch das Gründer- und Innovationszentrum Stedtfeld weiter gestärkt.

Durch eine intensivere interkommunale und regionale Zusammenarbeit nutzt Eisenach verstärkt vorhandene wirtschaftliche Potenziale in der Region.

3

Eisenach baut seine Stärken als kulturelles Zentrum, touristisches Ziel und Sportstadt weiter aus

Die touristische Hauptattraktion Wartburg wird stärker mit den Touristenzielen der Stadt verknüpft. Die Wartburg profiliert sich noch stärker als Veranstaltungsort.

Die Stadt entwickelt Konzepte, um Kulturangebote wie beispielsweise das Bachhaus, die Alte Mälzerei oder das Automobilmuseum zu stärken und besser zu vernetzen. Mit dem städtischen Museumskonzept wird die Museumslandschaft weiterentwickelt.

Sportstätten mit regionaler und überregionaler Ausstrahlung werden als Aushängeschilder der Sportstadt Eisenach aufgewertet (Handballhalle O2, Sportpark Katzenaue).

Die Bedingungen für Freiluftsportarten und naturbezogene Erholung werden mit einem hohen Qualitätsstandard weiter ausgebaut, um das touristische Angebot zu erweitern und die hohe Lebensqualität in Eisenach zu verbessern.

Die besondere Lagegunst wird gezielt für die stärkere Profilierung als Tagungs- und Kongressstandort genutzt.

4

Eisenach führt die Stadtreparatur konsequent fort

Das Prinzip Innenentwicklung vor Außenentwicklung wird auch bei wachsender Nachfrage konsequent beibehalten, um Nutzungsnachfragen in den Siedlungsbestand zu lenken. Flächenneuinanspruchnahme bleibt der Ausnahmefall.

Die Stadt unterstützt aktiv Immobilienentwicklungen im Bestand. Die Vorbehalte und Hindernisse für ein Engagement privater Investoren werden durch Information, Beispielprojekte und, falls möglich, Anschubfinanzierungen der öffentlichen Hand reduziert.

Bei Neuansiedlungen öffentlicher Nutzungen werden bevorzugt Bestandsimmobilien oder Brachflächenstandorte gewählt.

Die Stadt arbeitet aktiv daran, Hemmnisse für die Reaktivierung von Brachflächen und leerstehenden Gebäuden zu beseitigen oder zu verringern.

Die Stadt bringt sich stärker beim Erwerb von Brachflächen und anderen Flächen ein, um durch Bodenbevorratung flexibler beim Zuschnitt von Grundstücken reagieren und Flächen für potentielle Investoren anbieten zu können.

5

Eisenach positioniert sich als familienfreundliche und sozial integrierende Stadt

Trotz enger finanzieller Spielräume werden die vorhandenen Daseinsvorsorge-Infrastrukturen, die von Familien mit Kindern nachgefragt werden, gestärkt und den neuen Herausforderungen stetig angepasst.

Integrationsmanagement und Armutsprävention haben in der Arbeit der Stadtverwaltung einen hohen Stellenwert. Die Integration der Geflüchteten wird in den bestehenden Netzwerkstrukturen intensiv fortgeführt mit dem Ziel, möglichst vielen Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sowie Ausbildungs- und Arbeitschancen zu eröffnen.

In Eisenach wird das Angebot an barrierefreien, altersgerechten, generationenübergreifenden und anderen besonderen Wohnformen verstärkt ausgebaut. Außerdem setzt sich die Stadt Eisenach für einen Erhalt des Angebots an preisgünstigem Wohnraum ein.

Für das Gemeinwesen ehrenamtlich tätige Menschen werden in ihrer Arbeit unterstützt und motiviert. Die wachsende Altersgruppe der Senioren wird als Ressource für bürgerschaftliches Engagement erkannt und geschätzt.

Angebote und Strukturen, die generationenübergreifend angelegt sind, werden weiter ausgebaut und miteinander verknüpft.

6

Eisenach verfolgt eine stadtverträgliche Mobilitätsstrategie und reduziert die Belastungen für Mensch und Natur durch den Verkehr

Die Kernstadt wird vom motorisierten Individualverkehr entlastet, indem die Nahmobilität (Fuß- und Radverkehr) und der öffentliche Verkehr gestärkt und ausgebaut werden.

Die Barrierefreiheit im öffentlichen Raum und im öffentlichen Verkehr wird auch vor dem Hintergrund der alternden Bevölkerung ausgebaut.

Die Mobilitätsknoten der Stadt, insbesondere der ICE-Bahnhof mit dem ZOB, werden weiter gestärkt und ausgebaut. Noch fehlende Funktionen und Nutzungen (z.B. E-Mobilität) werden ergänzt.

Die Stadt Eisenach setzt sich für den langfristigen Erhalt und die Stärkung des ICE-Halts ein. Das Alleinstellungsmerkmal des ICE-Bahnhofs wird als Standortfaktor und Impulsgeber für Firmenansiedlungen strategisch genutzt.

Eisenach nutzt seine lange Geschichte als Autostadt, um innovative Mobilitätsformen zu fördern und insbesondere den motorisierten Individualverkehr stadt- und umweltverträglicher zu gestalten.

7

Eisenach gewährleistet eine lebendige Entwicklung der Kernstadt und der Ortsteile, die auf die jeweiligen Stärken und Funktionen ausgerichtet ist

Die Innenstadt von Eisenach als wichtigster städtischer und regionaler Erlebnis- und Einzelhandelsstandort wird weiter gestärkt und aufgewertet.

Die Stadtteile der Kernstadt werden hinsichtlich ihrer Funktion als Wohn- bzw. Arbeitsstandorte weiterentwickelt. Dabei werden die spezifischen Aufgaben und Problemstellungen in den Stadtteilen berücksichtigt. Die Nahversorgung in den Stadtteilen wird weiterhin sichergestellt.

Die räumliche und funktionale Verknüpfung der einzelnen Stadt- und Ortsteile mit der Innenstadt wird weiter verbessert.

Bei gesamtstädtischen Planungen und Maßnahmen werden die Bedürfnisse der Bewohner der Ortsteile verstärkt mit berücksichtigt.

8

Eisenach verstärkt seine Aktivitäten für Klimaschutz und Klimaanpassung

Eisenach baut die Nutzung erneuerbarer Energien weiter aus. Dabei wird auf eine schonende Inanspruchnahme von Umwelt, Natur und Landschaft geachtet.

Die Energieeffizienz in öffentlichen Gebäuden wird weiter verbessert.

Eisenach nutzt die vorhanden Potenziale zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes bei der Mobilität, insbesondere durch Stärkung des Fuß- und Radverkehrs und Schaffung attraktiver Angebote des öffentlichen Verkehrs.

Der Hochwasserschutz wird auch als wichtige städtebauliche Aufgabe verstanden. Bei allen zukünftigen Maßnahmen sind die Auswirkungen auf den Hochwasserschutz verstärkt zu berücksichtigen.